Am Ende des Jahres 2019 stand für die Jungen Europäer aus Konstanz die traditionelle politische Semesterfahrt vor der Tür. Diesmal fiel die Entscheidung auf Berlin. Aufgrund der vielen (außen-) politischen Institutionen und der daher auch spannenden GesprächspartnerInnen war die deutsche Hauptstadt ein sicherlich lohnendes Ziel.

Nach einer langen Busfahrt quer durch deutsche Lande und der Bekanntmachung mit unserem immer zu politischen Diskussionen aufgelegten Busfahrer André konnten wir am späten Abend unsere Zimmer in unserem Hostel am Berliner Hauptbahnhof beziehen. Am nächsten Tag durften wir nach einer von Drill geprägten Kontrolle im deutschen Verteidigungsministerium einen Vortrag zur aktuellen Sicherheitslage und der zukünftigen Zusammenarbeit der europäischen Armeen hören. Im weiteren Verlauf des Tages besuchten wir das ARD-Hauptstadtstudio, was sich aber vor allem durch die Besonderheit auszeichnete, dass wir nur mit hauseigenen Hausschuhen den Studiobereich besichtigen durften. Am Abend erhielten wir eine Führung durch die „Berliner Unterwelten“, welche als verschiedene Bunkersysteme bis heute der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Am folgenden Tag standen dann wieder europäische Themen im Fokus. Wir hatten eine spannende Diskussion mit dem SPD-Obmann des Europaausschusses Christian Petry über europäische Herausforderungen und die neu gegründete „Deutsch-Französische Parlamentarische Versammlung“, wo der Bundestagsabgeordnete ebenfalls Mitglied ist. Nach einer Besichtigung des deutschen Bundestags fuhren wir mit dem Bus in die Julius-Leber-Kaserne, welche die größte Kaserne in ganz Berlin ist und durch seine Größe fast einer Stadt in der Stadt gleicht. Dort hörten wir einen unterhaltsamen Vortrag über die territorialen Aufgaben der Bundeswehr, die in erster Linie Maßnahmen und Unterstützung in Katastrophenfällen wie zum Beispiel Überschwemmungen oder Waldbränden darstellen.

Auch am nächsten Tag beschäftigte uns die sicherheitspolitische Lage und die damit verbundene europäische Zusammenarbeit in Afghanistan. Bei einem deutlich unterkühlten Raum im Auswärtigen Amt aber einem dafür umso spannenderen Vortrag erhielten wir einen guten Einblick in die aktuelle Lage am Hindukusch, die deutsche und europäische Position und welche Schwierigkeiten mit diesem Auslandseinsatz seit Beginn verbunden sind. Halb erfroren, aber mit neuen Erkenntnissen kamen wir zum Highlight der Fahrt, dem Besuch des Bundeskanzleramtes, was ebenfalls mit strengen Kontrollen am Eingang wiederum verbunden war. Das Bundeskanzleramt als Zentrum der politischen Macht ist vor allem im Inneren durchaus ansehnlicher und repräsentativer als der Bundestag und besitzt seit unserem Besuch den Sticker des besten Fußballclubs aus Konstanz. Im Bundeskanzleramt hatten wir zunächst ein Gespräch mit der deutschen Integrationsministerin Annette Widmann-Mauz und erhielten anschließend eine Führung durch die untere Ebene des Regierungszentrums, wo auch Geschenke von Staats- und Regierungschefs aus aller Welt ausgestellt sind.

Am gleichen Abend waren wir bei der Aufzeichnung von der ZDF-Talkshow „Maybrit Illner“ anwesend und konnten Edmund Stoibers Ausführungen über die Beziehungen zu Russland „bewundern“. Sogar unser Busfahrer, bekennender Stoiber-Fan, ließ es sich nicht nehmen ebenfalls mitzukommen. Manch einer von uns schaffte es sogar zur Prime-Time ins deutsche Fernsehen.

Wie es mit Praktika und einer zukünftigen Karriere im Bundestag aussieht, erfuhren wir am nächsten und letzten Tag in Berlin von dem Büroleiter des FDP-Bundestagsabgeordneten Benjamin Strasser. Nach einer kurzen Mittagspause fanden wir uns in der Nähe des Brandenburger Tores zum letzten Programmpunkt zusammen. Dort befindet sich die Vertretung der Europäischen Kommission, wo wir zu einem Gespräch verabredet waren. Anschließend konnten wir eine multimediale Ausstellung zur Geschichte der Europäischen Integration im gleichen Gebäude besuchen, welche aber eher mit ihrer digitalen Überforderung als durch ihre inhaltliche Stärke aufgefallen ist. Nach einem gemeinsamen Abendessen mussten wir leider am nächsten Tag die Heimreise ins behütete Konstanz wieder antreten. Auf der Fahrt kamen wir noch in den Genuss eines vielfältigen Musikquizzes unseres Busfahrers André, der im Glauben die kommende politische Elite Europas durch Deutschland zu kutschieren und mit Sicherheit den zukünftigen Bundeskanzler kennengelernt zu haben auch gleich dem JEF Konstanz Instagram Account gefolgt ist.

Am späten Abend kamen wir dann wieder in Konstanz an und konnten auf eine ereignisreiche und spannende Fahrt nach Berlin zurückblicken, die sich vor allem durch die großartige Organisation von Phillipp und Stefan auszeichnete. Durch die vielen Gespräche und Diskussionen konnten viele Eindrücke und Erkenntnisse über die aktuelle politische Lage in Deutschland und Europa gewonnen werden.

Die Jungen Europäer Konstanz in Berlin