Vom 19. Bis 21. Februar fand das Europäische Jugendseminar im Europaparlament in Brüssel zum Thema „Wachstum – Das Wunderheilmittel des 21. Jahrhunderts?“ statt. Neben der JEF Deutschland und rumänischen Studierenden der Babeș-Bolyai-Universität nahmen auch die Jeunes Européens aus Straßburg gemeinsam mit der JEF Freiburg am Seminar teil.

Nach einer langen Fahrt über mehrere Landesgrenzen durch den Schengen-Raum waren wir schon am Montagnachmittag in Brüssel angekommen und hatten das Haus der europäischen Geschichte besichtigt. Mit Eindrücken aus mehreren Jahrtausenden Europa in unseren Köpfen ging es danach durch den Brüsseler Feierabendverkehr in Richtung Hostel zum Einchecken.
Bei einem gemeinsamen Pizzaessen kamen wir Teilnehmer*innen der Straßburger Delegation ins Gespräch und trafen später bei einem belgischen Bier auch die Teilnehmer*innen der JEF Deutschland und die Brüsseler JEFer*innen, die für uns eine Bar reserviert hatten.

Am nächsten Morgen brachen wir (fast) pünktlich um halb acht bei Sonnenaufgang Richtung Europaparlament auf, wo unser Seminartag mit einer Führung durch das EP begann. Agnes Hamberger vom Besucherdienst zeigte uns, wo sich der Plenarsaal und die Büros der Abgeordneten befinden und erklärte, dass die vielfältigen Kunstwerke, die die Wände der Flure und Säle schmücken, von den Mitgliedstaaten gespendet wurden.

Eine besondere symbolische Bedeutung hat die Skulptur in der Vorhalle des Plenarsaals zwischen dem Micky-Mouse Café und den Büros der Abgeordneten: Wenn ein Teil des komplexen Gebildes bewegt wird, stößt das auch die anderen Teile an und es entsteht ein großer Lärm in der Halle: Jeder Bestandteil der Skulptur trägt dazu bei, dass das Gebilde zusammenhält, so wie auch jedes Mitgliedsland der EU wichtig für ihr Bestehen ist und zum Zusammenhalt beiträgt.

Am Ende der Führung besuchten wir schließlich den Plenarsaal, in dem wir der Rede des Parlamentspräsidenten Antonio Tajani zuhörten, der für eine stärkere Einbindung der nationalen Parlamente und eine offene, transparente Diskussion im Europaparlament warb. Außerdem redeten die Präsidentin der Nationalversammlung Bulgariens und der Kommissionsvizepräsident, die sich für eine vertiefte wirtschaftliche Zusammenarbeit in der EU trotz Brexit stark machten.

Über das Thema des Seminars informierte uns Christian Scheinert: „Wachstum ist zwar kein Wunderheilmittel, aber ein wichtiger Faktor“, beantwortete der Mitarbeiter des European Parliamentary Research Service die Titelfrage des Europäischen Jugendseminars und hielt ein Plädoyer für den freien Handel: „Protektionismus wird nicht die Antwort sein“, die Aufgabe der EU sei es, Rahmenbedingungen für Unternehmen und die „Entfaltung der Bürger“ zu schaffen, führte er aus.
Der Vortrag warf bei uns Teilnehmern allerdings auch einige Fragen auf, sodass auch untereinander nach einer Fragerunde noch kontrovers über Wachstum und globalen Handelsliberalismus diskutiert wurde. Viel Zeit blieb dafür aber leider nicht, da wir uns nun in drei Gruppen über verschiedene Ideen zu den Themen „Was ist Wachstum?“, „Wachstum und Jugend“ und „Digitales Wachstum“ austauschten, um diese den Parlamentsabgeordneten Werner Langen (EPP) und Martina Werner (S&D) vorzustellen.

In der Mittagspause sahen wir auch bekannte Gesichter aus der JEF Freiburg wieder, die uns von ihrer Arbeit für die EU in Brüssel erzählten.

Das Highlight des Seminars war unsere Diskussion mit den beiden Europaparlamentsabgeordneten, denen wir unsere Ideen für ein besseres Europa vorschlugen:

Beispielsweise hatte sich eine Arbeitsgruppe mit der Frage beschäftigt, wie die EU bei der Suche nach einem Arbeitsplatz in Europa behilflich sein kann: „Unser Vorschlag ist es, nach dem Vorbild des ERASMUS-Programms ein Austauschprogramm für Azubis zu entwickeln. So können nicht nur Studenten Erfahrungen im europäischen Ausland machen und die Vorteile der EU genießen“, stellte eine Teilnehmerin die Idee vor, wofür sie lauten Applaus von uns Teilnehmenden erntete.
„Es ist enorm wichtig, dass auch Azubis solche Austausche machen können“, stimmte uns auch Martina Werner zu: „Es wäre ein riesengroßer Vorteil, der noch nicht genutzt wird“.

Während Werner Langen erst etwas später zur Diskussion dazustoßen konnte, musste Martina Werner uns schon etwas früher wieder verlassen und wurde von ihrem Kollegen mit einem Hinweis zu einer Besprechung mit Unternehmensvertretern verabschiedet. „Hier wird man zusammenarbeiten müssen, auch wenn man nicht das gleiche Parteibuch hat“ erklärte uns der EP-Abgeordnete.

Zum Abschluss erhielt er noch eine provokante Frage: Ein Teilnehmer machte darauf aufmerksam, wie hoch der Altersdurchschnitt der Abgeordneten sei und wollte wissen, ob es nicht an der Zeit wäre, den Platz für jüngere Politiker*innen freizumachen, worauf Werner Langen konterte: „Ich halte – wenn überhaupt – etwas von der Zeitbeschränkung für Regierungsämter“, womit der EPP-Abgeordnete nochmals zeigte, dass die Parteifarben in Brüssel eine etwas geringere Bedeutung haben als in Berlin.

Nach einem sehr informativen und spannenden Tag im Europaparlament bleibt zu hoffen, dass die Abgeordneten unsere Vorschläge ins Parlament weitertragen und sich noch mehr Abgeordnete von unseren Ideen begeistern lassen.

 

Ein Bericht von Fenna Kreuz für die JEF Freiburg