Im Rahmen des Projekts „Demokratisierungsprozesse in Ost- und Südosteuropa“ waren die Jungen Europäer – JEF Baden-Württemberg vom 25.03. bis 01.04 auf dem Balkan unterwegs. Die Studienreisen nach Moldawien und Bosnien-Herzegowina, mit einem hautnahen Einblick in den Transnistrien-Konflikt einerseits und dem Entitäten-Konflikt andererseits, ließen eine Fahrt in das Herz des Balkans, namentlich nach Serbien und Kosovo, als logische Konsequenz erscheinen. Vor wenigen Jahren, 1999, flogen über diesem Gebiet Europas noch Kampflugzeuge der NATO und zerstörten Häuser, Städte und Familien. Hier sprechen wir von keinem Krieg, der vor unserer Zeit statt fand, sondern einem Krieg, der sich in unseren Köpfen durch die Bilder aus Medien und Zeitungen einbrennen konnte. Dieses beklemmende Gefühl war in Serbien, insbesondere in Belgrad und Mitrovica allgegenwärtig. Nachdem der Kosovo im Februar 2008 seine Unabhängigkeit von Serbien erklärt hat, ist sein Status international umstritten. Innerhalb der EU erkennen nur 22 von 27 Ländern diesen Staat an.

Die Delegation aus zwanzig JEF-Mitgliedern zeichnete sich durch ihre interne Vielfältigkeit aus. Vierzehn Teilnehmer aus unterschiedlichen Kreisverbänden in Baden-Württemberg, ein Mitglied der JE Straßburg und fünf Mitreisende der JEF Moldavien sorgten für eine diskussionsfreudige Stimmung und ermöglichten die Bildung eines noch differenzierteren Meinungsbildes. Ein solch tiefer Einblick in die Konfliktsituation, die Konfliktparteien, die Menschen und die Lebensweisen war nur durch die ständige Begleitung der JEF Serbien und JEF Kosovo möglich. Ohne deren grenzenlose Bereitschaft jegliche Fragen aus unseren Reihen zu beantworten, wäre dieser Reise viel an Erkenntnisgewinn verloren gegangen.
Es hat sich einmal mehr gezeigt, dass immer beide Seiten einer Medaille zu betrachten sind. Das Bewusstsein, dass es in politischen Konflikten für gewöhnlich kein einfaches „Schwarz-Weiß-Denken“ gibt, schafft die Basis für einen neutraleren und gerechteren Zugang zu den betroffenen Menschen, Ländern und Parteien. Gerade die Konflikte auf dem Balkan, mit ihrer unmittelbaren Nähe zu den Staaten der Europäischen Union und ihrer ethnischen Vielfalt und ihrer Aktualitä bedürfen einer sensiblen und unvoreingenommenen Herangehensweise. Für eine solche Unvoreingenommenheit braucht es noch mehr Junge Europäer, die diese festgefahrene ethnische Denkweise überwinden wollen und ihren Blick in die Zukunft richten, ohne sich von der konfliktbeladenen und gewalttätigen Vergangenheit des Balkans fesseln zu lassen. Und wie überwindet man festgefahrene Strukturen und Denkweisen? Durch tiefergehende Beschäftigung, breiteres Wissen und der Abkehr von stereotypischem Denken und Vorurteilen. So hat auch diese Reise die Notwendigkeit des Projektes „Demokratisierungsprozesse in Ost- und Südosteuropa“ wieder bestärken können, da es den Teilnehmern die Möglichkeit gab die Sichtweisen beider Konflikparteien kennen zu lernen und im direkten Austausch mit den Betroffen, festgefahrene sowie medial geprägte Meinungen neu zu überdenken.

Ausführlicher Reisebericht zum Download (PDF)

In diesem Sinne gilt unser Dank nicht nur der JEF Kosovo und der JEF Serbien, sondern ebenso dem KV Tübingen, der mit Martin Renner, Nina Klett und Thomas Krüger eine organisatorische Meisterleistung vollbracht hat.

Nadine Winter

Pressesprecherin der Jungen Europäer – JEF Baden-Württemberg