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Mehr Europa wagen! - ruprecht Nr. 99
 



Mehr Europa wagen!

"Junge Europäer" sind nicht zwangsläufig Föderalisten

Der letzte Mai, als in Frankreich und Holland die EU-Verfassung abgelehnt wurde, war mit Sicherheit kein Wonnemonat für die Jungen Europäer (JEF). Seit 1949 macht sich der Nachwuchs der Europa-Union, einer transnationalen Nichtregierungsorganisation, stark für die Einigung Europas. Langfristiges Ziel ist ein europäischer Bundesstaat, zumindest aber soll die EU außenpolitisch künftig mit einer Stimme sprechen.

Dass die JEF kaum jemand kennt, liege hauptsächlich an der mangelnden Aufmerksamkeit, der man ihrem Thema schenkt, meint Till Stellino, Vorsitzender der im Jahre 2000 neugegründeten Ortsgruppe Heidelberg: "Europa ist seit 1949 immer ein Sonntagsthema gewesen." Seine Wichtigkeit, gerade für Frieden und Stabilität, sei noch nicht verinnerlicht worden.

Die JEF ist keine Parteijugend, auch wenn vieles in ihrer Struktur, Finanzierung und der Beziehung zur Mutterorganisation daran erinnern. Die politische Ausrichtung ist unwichtig, solange man nur demokratisch gesinnt ist. "Unsere Aufgabe: Jeder, der es möchte, soll sich wirksam für Europa engagieren können", so Stellino. Der Namenszusatz "Föderalisten" (deshalb das F im Kürzel) wurde in Baden-Württemberg vor zwei Jahren gestrichen, damit Personen, die sich zwar für Europa einsetzen wollen, mit der Festlegung auf Föderalismus aber nicht so viel anfangen können, nicht abgeschreckt werden. Kleinster gemeinsamer Nenner ist nunmehr die Vertiefung der europäischen Idee im demokratischen Sinne. Konkrete Details wie ein Gottesbezug in der Verfassung oder der Beitritt der Türkei werden hingegen heftig diskutiert.

Um den einfachen Bürgern Europa schmackhafter zu machen, veranstalten die Heidelberger Fahrten für Interessierte ins europäische Ausland, Vortragsabende wie z. B. im letzten Europawahlkampf eine Podiumsdiskussion mit den örtlichen Kandidaten der Parteien oder einfach Infostände in der Fußgängerzone. Für Mitglieder bieten sich zudem Seminare, bei denen mit prominenten Referenten politische Themen diskutiert oder beispielweise rhetorische Fähigkeiten trainiert werden können.

Derzeit umfasst der Ortsverein Heidelberg, dessen Motto in Anlehnung an Willy Brandt "Mehr Europa wagen" lautet, rund 30 Mitglieder.

über mangelnde Einsatzbereitschaft kann sich der ehemalige Romanistik- und Philosophiestudent dabei nicht beklagen: "Wer einmal dabei ist, engagiert sich auch."

(mbe)