Europakongress in Helsinki



Vom 28.-30. Oktober 2011 tagte der Europakongress, das höchste Gremium der JEF Europe, in Helsinki. Die knapp 100 Delegierten aus den verschiedenen JEF-Sektionen wählten Pauline Gessant aus Frankreich zur Präsidentin des Dachverbands. Als Stellvertreter wurden Martin Fischer (Deutschland) und Emilia Machuca (Finnland) gewählt. Die JEF Deutschland nahm mit 25 Delegierten, davon 4 aus Baden-Württemberg, an diesem Höhepunkt der JEF-internen Verbandsarbeit teil.

 

Hätte einer der anwesenden Delegierten noch überzeugt werden müssen, dass ein in Vielfalt geeintes Europa nicht nur möglich sondern auch bereichernd, ja begeisternd ist – er wäre es nach zweieinhalb spannenden Tagen in Helsinki zweifelsfrei gewesen. Die Europäische Idee nimmt gegenüber den EU-Außengrenzen keine Rücksicht. So war es bereits eine spannende Prozedur, als die Kolleginnen und Kollegen aus den unterschiedlichsten JEF-Sektionen zur Abholung ihrer Stimmkarten nach vorne zum Präsidium gerufen wurden.

 

Ein wohlwollendes Raunen ging durch den Saal als sich schließlich gleich ein Viertel aller Delegierten erhob, um beim Generalsekretär der JEF Europe, Ruben Loodts, seine Stimme zu registrieren. Die deutsche Sektion war mit 25 Stimmen nicht nur die größte – ihr wurde auch merklich die Bedeutung zugemessen, die die JEF Deutschland aufgrund ihrer Größe besitzt. Umso mehr musste es augenblicklich richtig erscheinen, dass der ursprüngliche Antrag zur Beitragsreduzierung, zuletzt auf dem Bundeskongress in Kiel nochmals ausgiebig diskutiert, zurückgezogen wurde. Eine wenig schöne Botschaft unsolidarischen Handelns wurde damit glücklicherweise vermieden. Dass dieser Rückzug nicht nur richtig, sondern auch wichtig war, sollte sich noch bei der Debatte um die von Deutschland eingebrachten Satzungsänderungsanträge zeigen.

 

Auch wurde manch Skeptiker, der den Nutzen der europäischen Ebene, ihre Aktivität und Vitalität anzweifelte, bereits am ersten Tag eines besseren belehrt. Die hervorragend aufbereitete Präsentation des scheidenden Präsidenten, Philippe Adriaenssens, verdeutlichte, wie wichtig die Vernetzung der JEF-Sektionen für uns ist. Die integrative Kraft europaweiter Seminare und Aktionen und die starke Stimme, mit der unser Dachverband an den Schaltstellen der europäischen Politik gehört wird, dürfen nicht unterschätzt  werden. Unvergesslich war so das „Schmankerl“, das Philippe noch bereit hielt. 



 

Dass an diesem wie auch am Samstagabend manch Flüssigkeit nur in kleineren Mengen floss, war den finnischen Preisen geschuldet. Nicht lumpen ließen sich die großartigen Organisatoren jedoch beim Empfang. So waren die JEFer aus ganz Europa zum festlichen Auftakt des Kongresswochenendes beim finnischen Außenminister zu Gast und durften die Vorzüge finnischer Gastfreundschaft erleben.

 

Auf den ersten Blick amüsant, auf den zweiten Blick erschreckend – so startete der Samstag. Dass die Delegierten über bereits 2009 beschlossene Satzungsänderungen erneut abstimmen mussten, ließ manch einen staunend zurück. Schuld daran ist das europaweit nicht harmonisierte Vereinsrecht und die durch die Übersetzungen vom Englischen ins Französische entstandenen rechtlichen Unklarheiten. Die Satzungsänderungen der JEF Europe müssten in notariell beglaubigten Übersetzungen vorliegen und von einem belgischen Notar  nach belgischem Vereinsrecht mit entsprechender Rechtsterminologie eingetragen werden, um gültig zu sein. Ein Bereich mehr, der dringend vergemeinschaftet werden sollte!

 

Weit weniger bürokratisch, dafür umso politischer gestalteten sich die Wahlen des European Board/Executive Bureau (EB) und des Federal Committee (FC). Aus deutscher Sicht erfreulich waren neben der Wahl unserer „alten Bekannten“ Pauline Gessants zur Präsidentin die Wahl Martin Fischers (LV Sachsen) zum Vizepräsidenten. Weiterhin wurden aus den Reihen der JEF Deutschland als direkt gewählte Mitglieder Daniel Matteo (LV Baden-Württemberg / Bundesvorstand), Niklas Kramer (LV Thüringen), Franziska Porst (LV Berlin-Brandenburg) und Benjamin Bögel (LV Bayern) ins FC gewählt. Daniel Matteo erhielt dabei die meisten Stimmen aller 20 gewählten FC-Kandidaten. André Berberich (LV Baden-Württemberg/Bundesschatzmeister) rundet als Mitglied des Auditors Committee (entspricht einer Finanzprüfungskommission) den Kreis der in den nächsten zwei Jahren auf europäischer Ebene engagierten deutschen JEFer ab.

 

Deutlich wurde, dass Kompromissfindungen im Vorfeld nicht nur bei den Wahlen sondern auch in allen anderen Entscheidungsfragen von zentraler Bedeutung sind. Dem hervorragenden Unterhändler und International Officer der JEF Deutschland, Daniel Matteo, ehemaliger Vorsitzender der Jungen Europäer – JEF Baden-Württemberg, sei an dieser Stelle einmal mehr herzlich gedankt. So konnte nach spannenden inhaltlichen Debatten in den Political Commissions und im Rahmen des World Cafés am Samstagnachmittag mit der Annahme der neuen Political Platform, dem Politischen Programm der JEF Europe, am Sonntag nicht nur ein krönender Schlusspunkt unter ein tolles Wochenende gesetzt werden. Vielmehr wurden über diese politischen Inhalte hinaus zentrale Strukturreformvorschläge der JEF Deutschland beschlossen, die die Arbeitsfähigkeit der JEF Europe in den kommenden Jahren mit Sicherheit noch weiter verbessern werden.

 

Die Harmonie jedenfalls war zum Abschluss und bei der Performance des Federalist Songs ungetrübt.




Dass manch Komplexität in den Verbandsstrukturen noch abgebaut werden sollte und in zwei Jahren hierzu sicher wieder Gelegenheit besteht, sollte nicht davon ablenken, dass dieser Europakongress 2011 eine zentrale Botschaft hinterließ: Für ein vereintes Europa ist es dringend nötig, sich mit seinen europäischen Nachbarn auszutauschen, Visionen zu schaffen und diese in die Tat umzusetzen. Was hierfür gilt, gilt zugleich auch für die Europaebene der JEF. Engagement ist hier wie dort gefragt. Europa umgibt uns täglich. Wir müssen lediglich zupacken.

 

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